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Tipps & Tricks

PostScript Type 1-Schriften nur noch ein Jahr nutzbar

Type 1
Wir starten den Countdown: In etwas mehr als einem Jahr, im Januar 2023, werden PostScript Type 1-Schriften in Adobe-Programmen nicht mehr nutzbar sein. Doch was bedeutet das? Und was können Sie jetzt schon tun?
Nicolas Nater | 28. Oktober 2021

Zwar gibt es seit dem Jahr 2000 den OpenType-Standard, doch auch heute werden immer noch Type 1-Schriften verwendet – ein Standard aus dem Jahr 1984. In dem Jahr wurde Ronald Reagan zum zweiten Mal US-Präsident, Apple führte den ersten Macintosh ein und Frankreich wurde Zuhause Europameister mit Michel Platini als Torschützenkönig, so als Referenz. Fast vierzig Jahre danach wird Adobe den Support für diese Schriften beenden.

Was bedeutet das?

Ab Januar 2023 wird Adobe den Support für Type 1-Schriften abschalten (Quelle Adobe). Konkret heisst das, Type 1-Schriften werden in Adobe-Anwendungen in der Schriftauswahl nicht mehr angezeigt. In Photoshop ist das bereits seit diesem Jahr so. Im InDesign werden diese mit einem kleinen «a» angezeigt, während bei OTF-Schriften «O» und bei TrueType-Schriften «TT» steht. 

Screenshot

Die Schriften mit dem kleinen «a» werden ab Januar 2023 nicht mehr angezeigt, selbst wenn sie installiert sind. 

In bestehenden Dokumenten, die Type 1-Fonts verwenden, werden diese als fehlend markiert. Sind solche Fonts in EPS- oder PDF-Dateien eingebettet, funktionieren sie da weiterhin.

Allerdings werden am 1. Januar nicht einfach alle Schriften aus der Adobe-Palette rausgeworfen. Viel mehr heisst das, dass alle Programmversionen, die nach dem 1. Januar 2023 erscheinen werden, Type 1-Schriften nicht mehr unterstützen werden.

Was kann ich jetzt schon machen?

Für wiederkehrende Aufträge lohnt es sich, diese durchzugehen und auf Type 1-Schriften zu überprüfen. Dafür gibt es diverse Hilfsmittel.

Scripts

Leider sind die Schrifttypen im Dialog «Schriftart suchen/ersetzen» in InDesign nur unter «mehr Informationen» jeder einzelnen Schrift ersichtlich. Mit dem Script «ShowDocumentFonts» von Peter Kahrel lassen sich die verwendeten Schriften inkl. Typ in einem Fenster anzeigen.

Ebenfalls interessant ist das InDesign-Script «warnType1Fonts» von Gregor Fellenz. Dieses ist als Startup-Script konzipiert und warnt beim Öffnen jeder Datei, wenn in diesem Type 1-Schriften verwendet wurden. Für die Suche nach Dateien mit den Schriften enorm hilfreich, ansonsten eher hinderlich in der alltäglichen Produktion. Das Script sollte also nur aktiviert werden, wenn man beim Öffnen eines jeden InDesign-Dokuments auf Type 1-Schriften hingewiesen werden möchte.

Zuguterletzt gibt es die Möglichkeit, Type 1-Fonts über ein Preflight im PDF zu identifizieren. Im Acrobat- und pdftoolbox-Preflight ist die Option bei den Profilen unter «Zeichensätze» zu finden. Da den Punkt «Der Typ des Zeichensatzes ist» für Typ 1 und CID (Typ 1) aktivieren. Im PitStop-Preflight-Profil gibt es sie unter Fonts > Type 1-Font.

Schriften identifiziert – und dann?

Wenn die Schriften einmal identifiziert sind, ist das erst die halbe Arbeit. Die andere Hälfte ist das Auftreiben kompatibler Schriften. Zwar ist es möglich, Type 1-Schriften mit Konvertern wie TransType umzuwandeln, doch diese sind nicht immer zuverlässig und verletzen in vielen Fällen die Endbenutzerlizenzvereinbarungen.

Sicherer – und korrekter – ist die Lizenzierung der OpenType-Schriften. Mit einem Adobe-Creative-Cloud-Abo (egal ob Einzelprodukt oder für alle Applikationen) erhalten Sie Zugriff auf die Adobe Fonts. In diesem Dienst können über zweitausend Schriftfamilien ohne Zusatzkosten genutzt werden. Dies hat den Vorteil, dass einfach kollaborativ gearbeitet werden kann und die Schriften nicht lokal abgelegt werden müssen. Die Nachteile: Wer die Schriften in einer anderen Software nutzen möchte, guckt in die Röhre. Und wenn die Schrift einmal aus dem Adobe-Service verschwindet, ebenfalls. Ausserdem kann bisher InDesign Server nicht mit Adobe Fonts arbeiten. 

Wer unbefristete Lizenzen wünscht und Schriften auch lokal speichern möchte, kontaktiert am besten die Topix. Wir helfen mit unserem langjährigen Know-how und unseren Kontakten gerne weiter.
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